Cloud-Vorbehalte im Check: „Die großen US-Cloudanbieter sind günstiger.“

Wir werfen einen Blick auf die vier häufigsten Einwände gegen den Umstieg vom Hyperscaler auf eine souveräne Cloud. In Folge eins geht es um die Kosten. 

Wer einen Wechsel von US-Hyperscalern zu einer souveränen Cloud aus Europa prüft, hat typischerweise einige grundlegende Vorurteile: Sind Hyperscaler nicht günstiger und flexibler? Was bedeutet die Abhängigkeit von einem kleineren Anbieter? Reicht unser internes Know-how? Und was ist mit der Sicherheit?

In dieser Reihe nehmen wir uns dieser Punkte einzeln an und beleuchten, wie sich Kostenstrukturen, offene Standards, Managed Services und Regulatorisches konkret auswirken.

Folge 1: „Die großen US-Cloudanbieter sind günstiger.“

Auf den ersten Blick scheint dieses Vorurteil richtig: Die Einstiegspreise sind attraktiv, die Servicebandbreite riesig. Doch ist es wirklich so, sind Hyperscaler günstiger? Spannend wird es erst, wenn man nicht nur die Listenpreise, sondern die tatsächlichen Gesamtbetriebskosten betrachtet.

Versteckte Kosten: Wenn die Cloud-Rechnung wächst

Ein wesentlicher Kostenblock, der in vielen Kalkulationen untergeht, sind Datenabflüsse und Traffic. Solange Daten in der Plattform bleiben, sind die Kosten überschaubar. Kritisch wird es, sobald Daten bewegt werden:

  • Backups in andere Regionen oder zu externen Standorten;
  • Analytics- oder BI-Workloads, die große Datenmengen ziehen;
  • Multi-Region- oder Multi-Cloud-Architekturen.

 

Egress-Fees, Cross-Region-Traffic und API-Aufrufe summieren sich oft erst langsam, stehen dann aber jeden Monat zuverlässig auf der Rechnung.

Hinzu kommen Services, die im Alltag schnell „nebenbei“ gebucht werden: Datenbanken, Load Balancer, Monitoring, spezielle Storage-Klassen, Messaging-Dienste und vieles mehr. Jedes dieser Puzzleteile ist für sich genommen vertretbar, in Summe entsteht aber ein Kostenbild, das mit den ursprünglichen Planungen oft wenig zu tun hat, oder im Vorfeld schwierig zu beziffern ist.

Ein dritter Punkt, der gerne unterschätzt wird: operative Aufwände. Komplexe Preismodelle, zahllose Optionen pro Service und die Notwendigkeit, Kosten aktiv zu managen (Stichwort: FinOps), erzeugen internen Aufwand. Cloud-Architekturen müssen nicht nur technisch, sondern auch kaufmännisch sauber geplant und dauerhaft optimiert werden. Diese Personalkosten tauchen in keiner Cloud-Preisliste auf, sind aber real.

Transparente Preismodelle und Einsparpotenziale

Souveräne Cloud-Angebote auf Basis offener Plattformen (z. B. OpenStack und Kubernetes) setzen an dieser Stelle anders an. Offene Standards und Open-Source-Komponenten reduzieren Abhängigkeiten von proprietären Services, die häufig teurer sind und nur innerhalb eines Ökosystems funktionieren.

Statt eines unübersichtlichen Baukastens mit vielen Einzelpreisen arbeiten einige europäische Anbieter mit klar strukturierten, besser planbaren Preismodellen. Dazu gehören: 

  • inklusive oder pauschal bewerteter Traffic,
  • gebündelte Plattformleistungen (z. B. Betrieb, Monitoring, Backups),
  • weniger kostenpflichtige „Sonderfeatures“, da diese eigentlich im Alltag und nicht nur im Sonderfall benötigt werden.

 

In der Praxis lassen sich je nach Ausgangssituation und Architektur Einsparungen von bis zu 30 % im Vergleich zu Hyperscaler-Setups realisieren. Nicht, weil die Infrastruktur „billig“ ist, sondern weil sie anders und transparenter bepreist wird und weniger versteckte Kostenfallen enthält.

„Flexibilität“ heißt auch: Wie schnell bekomme ich Hilfe?

Das zweite große Versprechen der Hyperscaler ist Flexibilität. Ressourcen lassen sich in Sekunden skalieren, Services sind weltweit verfügbar – technisch ist das unbestritten ein großer Vorteil. Die Frage ist aber: Was passiert, wenn etwas nicht funktioniert oder ein Design-Entscheid ansteht, der langfristige Auswirkungen hat?

Standard-Supportmodelle bei Hyperscalern basieren meist auf Ticket-Systemen, mit global verteilten Teams und klar definierten SLAs. Das ist effizient, aber alles andere als persönlich. Bis ein komplexes Problem sauber reproduziert, verstanden, eskaliert und gelöst ist, vergeht Zeit, und Zeit kostet bekanntlich Geld:

  • Interne Teams analysieren, dokumentieren und warten auf Rückmeldung,
  • Projekte verzögern sich,
  • Workarounds müssen organisiert und abgesichert werden.


Ein Anbieter, der die konkrete Umgebung, die beteiligten Systeme und das Team auf Kundenseite gut kennt, kann an dieser Stelle deutlich schneller reagieren – und damit indirekte Kosten reduzieren. Direkte, kompetente Ansprechpartner ersetzen die „Ticket-Wüste“ und helfen nicht nur bei Störungen, sondern auch präventiv bei Architektur-, Kosten- und Betriebsfragen.

Fazit: Sind Hyperscaler günstiger? Auf dem Papier vielleicht, im Betrieb sind sie meist teurer

Der Blick auf den reinen Infrastrukturpreis greift zu kurz. Versteckte Kosten durch Datenabflüsse und Add-on-Services, interne Aufwände für Kosten- und Betriebsoptimierung sowie indirekte Aufwände durch Support- und Abstimmungsprozesse entscheiden am Ende mit darüber, ob ein Cloud-Setup wirklich wirtschaftlich ist.

Souveräne Cloud-Plattformen aus Europa können hier eine Alternative bieten: mit offenen Standards, transparenten Preismodellen und direktem Support. Ob sie im Einzelfall günstiger sind, zeigt erst der Blick auf die Total Cost of Ownership und den gesamten Lebenszyklus der Workloads – nicht die Preisübersicht der einzelnen Features.

Im nächsten Beitrag dieser Reihe geht es um den zweiten Vorbehalt: die Sorge, von einem kleineren Anbieter abhängig zu sein.

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