Was versteht man unter Carrier-Neutralität?
Carrier-Neutralität ist ein Betriebsmodell für Rechenzentren, das Kunden die freie Wahl zwischen verschiedenen Netzwerk- und Internetdienstleistern ermöglicht. In einem Carrier-neutralen Umfeld agiert der Rechenzentrum-Betreiber unabhängig von einzelnen Telekommunikationsanbietern und stellt lediglich die physische Infrastruktur für deren Zusammenschaltung bereit.
Was ist ein Carrier in der IT?
Ein Carrier (auch Netzwerk-Provider oder Internet Service Provider, ISP) ist ein Unternehmen, das die Infrastruktur für die Datenfernübertragung besitzt oder betreibt. In der IT-Landschaft fungieren Carrier als Lieferanten für Bandbreite und Konnektivität. Sie betreiben Glasfasernetze und Points of Presence (PoPs), um Endkunden-Standorte und Rechenzentren mit dem globalen Internet oder anderen Standorten zu verbinden.
Warum ist Carrier-Neutralität wichtig?
Die Bedeutung der Carrier-Neutralität liegt in der Vermeidung von Abhängigkeiten, dem sogenannten Vendor-Lock-in. Ohne diese Neutralität ist ein Unternehmen an die Preise, die Technik und die Verfügbarkeit eines einzigen Anbieters gebunden. Carrier-Neutralität schafft einen offenen Marktplatz für Telekommunikationsdienstleistungen innerhalb des Rechenzentrums, auf dem Kunden Verträge flexibel anpassen können, um auf Marktveränderungen oder technisches Versagen zu reagieren.
Die drei Hauptvorteile von Carrier-Neutralität
- Kosteneffizienz durch Wettbewerb: Da mehrere Anbieter vor Ort sind, konkurrieren diese um den Kunden, was zu marktgerechten Preisen für Bandbreite führt.
- Erhöhte Ausfallsicherheit (Redundanz): Kunden können Leitungen von unterschiedlichen Carriern beziehen. Fällt ein Provider dann aufgrund einer Störung aus, übernimmt automatisch die Infrastruktur des zweiten beauftragten Anbieters.
- Maximale Flexibilität: Unternehmen können für unterschiedliche Standorte oder Dienste (z.B. Standortvernetzung, Cloud-Anbindung oder IP-Dienstleistungen) jeweils den spezialisierten Best-in-Class-Anbieter wählen.
Vergleich: Carrier-neutral vs. Carrier-spezifisch
Carrier-neutrales Rechenzentrum
- Anbieterwahl: Freie Auswahl aus einer Vielzahl von Providern
- Preise: Niedriger durch direkten Marktwettbewerb
- Redundanz: Hoch (Multi-Carrier-Konzept möglich)
- Skalierbarkeit: Sehr hoch durch Anbieterwechsel
Carrier-spezifisches Rechenzentrum
- Anbieterwahl: Festgelegt auf den Betreiber/Haus-Provider
- Preise: Monopolpreise des einzigen Anbieters
- Redundanz: Eingeschränkt (Single Point of Failure beim Provider)
- Skalierbarkeit: Begrenzt durch das Portfolio des einen Anbieters
Praxisbeispiel
In der Praxis bedeutet das: Ein Unternehmen hostet seine E-Commerce-Plattform bei firstcolo. Um eine 100%ige Erreichbarkeit zu garantieren, nutzt das Unternehmen gleichzeitig Leitungen der Telekom, von Colt und von Versatel. Sollte bei Tiefbauarbeiten das Kabel eines Anbieters beschädigt werden, bleibt die Plattform über den anderen Carrier ohne Unterbrechung online.
firstcolo Experten-Einschätzung
„Echte Carrier-Neutralität ist das Fundament für moderne Hybrid-Cloud-Szenarien. Erst durch die Präsenz zahlreicher Carrier im Meet-Me-Room (MMR) können wir Latenzzeiten minimieren, indem wir Datenströme dort übergeben, wo der physische Weg zum Ziel am kürzesten ist.“


