Cloud-Vorbehalte im Check: „Kleiner Anbieter = Großes Risiko.“

Folge zwei unserer Reihe zu den häufigsten Einwänden gegen den Umstieg vom Hyperscaler auf eine souveräne Cloud: Was ist dran an der Sorge, sich von einem kleinen Anbieter abhängig zu machen?

Neben dem Vorurteil, Hyperscaler seien günstiger, kursiert ein weiterer Einwand gegen den potenziellen Wechsel des Cloud-Providers: „Wir wollen uns nicht von einem kleineren Anbieter abhängig machen.“ Hinter diesem Satz stecken meist keine technischen Fakten, sondern ein Gefühl: Größer wirkt sicherer. Aber wie stark hängt die tatsächliche Abhängigkeit in der Cloud-Welt von der Größe des Anbieters ab?

Folge 2: „Kleiner Anbieter = großes Risiko.“

Die Angst vor Abhängigkeit berührt mehrere Ebenen:

  • Aus organisatorischer Sicht die Frage, ob ein kleinerer Anbieter langfristig stabil ist und mit dem eigenen Wachstum Schritt hält.

  • Technisch gesehen die Sorge, Workloads später nicht mehr oder nur mit großem Aufwand umziehen zu können.

  • Psychologisch betrachtet auch das Sicherheitsgefühl, einen global bekannten Namen vor Geschäftsführung oder Aufsichtsrat besser vertreten zu können.

 

Diese Punkte sind nachvollziehbar. Sie überdecken aber das entscheidende Argument: Abhängigkeit entsteht durch Architekturentscheidungen, proprietäre Lösungen und rechtliche Gegebenheiten.

Vendor Lock-in: Eine Frage der Technologie, nicht der Größe

Ein Vendor Lock-in in der Cloud entsteht typischerweise dort, wo Workloads stark an proprietäre Services, APIs und Datenformate gebunden sind. Je intensiver proprietäre Services eines Anbieters genutzt werden, desto schwieriger wird ein späterer Umzug.

Hier kommen offene Standards ins Spiel:

  • OpenStack stellt standardisierte Schnittstellen für Compute, Storage und Netzwerk bereit. Virtuelle Maschinen und Volumes basieren auf etablierten Formaten, die sich technisch auch in anderen OpenStack- oder kompatiblen Umgebungen betreiben lassen.

  • Kubernetes abstrahiert Anwendungen in Container-Workloads. Ob diese Container in der eigenen Umgebung, in einer souveränen Cloud in Europa oder bei einem anderen Provider laufen, ist vor allem eine Frage der Umgebungskonfiguration.

 

Wer Infrastrukturen und Anwendungen konsequent auf solchen Standards aufbaut, reduziert automatisch die technische Bindung an einen einzelnen Provider. Ein Wechsel bleibt zwar ein Aufwand, wird aber plan- und durchführbar.

Portabilität in der Praxis: Wechselbar per Design

In der Praxis zeigt sich Portabilität dort, wo Umgebungen reproduzierbar beschrieben und automatisiert aufgebaut werden können:

  • Infrastruktur, die über Tools (wie Terraform oder Ansible) als Code definiert ist, lässt sich an anderer Stelle mit vertretbarem Anpassungsaufwand wieder aufbauen.

  • Containerisierte Anwendungen können mit denselben Kubernetes-Konfigurationen auf verschiedenen Clustern betrieben werden, „On Premise“, in einer souveränen Cloud oder bei einem anderen Provider.

 

Eine solche Architektur macht den Ausstieg bei einem kleineren Anbieter technisch sogar einfacher, als dies bei einem Hyperscaler der Fall ist, in dessen Ökosystem viele spezialisierte PaaS– und andere Services genutzt werden. Das Entscheidende: Die Portabilität wird beim Design mitgedacht, nicht erst beim geplanten Ausstieg.

Stabilität und Verlässlichkeit: Woran lässt sich das festmachen?

Die Frage nach Abhängigkeit berührt auch die Stabilität des Anbieters selbst. Hier lohnt ein Blick auf harte Faktoren:

Eigene Rechenzentren: Ein Anbieter, der eigene Rechenzentrumsinfrastruktur in Europa betreibt, investiert langfristig in Standorte, Energieversorgung, Kühlung und Netzwerkanbindung. Das spricht für Kontinuität und planbare Rahmenbedingungen.

Historie: Mehrjährige Marktpräsenz und gewachsene Kundenbeziehungen sind ein Indiz dafür, dass der Betrieb nicht auf kurzfristige Experimente ausgelegt ist.

Zertifizierungen wie ISO 27001, ISO 9001, PCI-DSS oder TÜV-geprüfte Rechenzentrumsstufen zeigen, dass Prozesse, Sicherheit und Qualität regelmäßig extern geprüft werden.

Diese Punkte ersetzen keine Risikoanalyse, liefern aber eine deutlich belastbarere Grundlage als die bloße Annahme „groß ist sicher, klein ist riskant“.

Fazit: Das Risiko der Abhängigkeit steigt durch proprietäre Services

Die Aussage „Von einem kleinen Cloud-Anbieter abhängig zu sein, ist riskant“ greift zu kurz. Abhängigkeit entsteht, wenn Workloads tief in proprietäre Services eingebettet sind und Exit-Szenarien nicht mitgedacht wurden. Wer auf offene Standards setzt, Infrastruktur als Code beschreibt und beim Design mögliche Ausstiege berücksichtigt, reduziert sein Risiko spürbar.

Die entscheidende Frage sollte daher nicht „Wie groß ist der Anbieter?“ lauten, sondern: „Wie schnell und mit welchem Aufwand könnten wir im Ernstfall wechseln?“

In der dritten Folge von „Cloud-Vorbehalte im Check“ geht es um die Sorge, dass für moderne Cloud-Lösungen im eigenen Haus das Know-how fehlt.

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