Folge zwei unserer Reihe zu den häufigsten Einwänden gegen den Umstieg vom Hyperscaler auf eine souveräne Cloud: Was ist dran an der Sorge, sich von einem kleinen Anbieter abhängig zu machen?
Neben dem Vorurteil, Hyperscaler seien günstiger, kursiert ein weiterer Einwand gegen den potenziellen Wechsel des Cloud-Providers: „Wir wollen uns nicht von einem kleineren Anbieter abhängig machen.“ Hinter diesem Satz stecken meist keine technischen Fakten, sondern ein Gefühl: Größer wirkt sicherer. Aber wie stark hängt die tatsächliche Abhängigkeit in der Cloud-Welt von der Größe des Anbieters ab?
Die Angst vor Abhängigkeit berührt mehrere Ebenen:
Diese Punkte sind nachvollziehbar. Sie überdecken aber das entscheidende Argument: Abhängigkeit entsteht durch Architekturentscheidungen, proprietäre Lösungen und rechtliche Gegebenheiten.
Ein Vendor Lock-in in der Cloud entsteht typischerweise dort, wo Workloads stark an proprietäre Services, APIs und Datenformate gebunden sind. Je intensiver proprietäre Services eines Anbieters genutzt werden, desto schwieriger wird ein späterer Umzug.
Hier kommen offene Standards ins Spiel:
Wer Infrastrukturen und Anwendungen konsequent auf solchen Standards aufbaut, reduziert automatisch die technische Bindung an einen einzelnen Provider. Ein Wechsel bleibt zwar ein Aufwand, wird aber plan- und durchführbar.
In der Praxis zeigt sich Portabilität dort, wo Umgebungen reproduzierbar beschrieben und automatisiert aufgebaut werden können:
Eine solche Architektur macht den Ausstieg bei einem kleineren Anbieter technisch sogar einfacher, als dies bei einem Hyperscaler der Fall ist, in dessen Ökosystem viele spezialisierte PaaS– und andere Services genutzt werden. Das Entscheidende: Die Portabilität wird beim Design mitgedacht, nicht erst beim geplanten Ausstieg.
Die Frage nach Abhängigkeit berührt auch die Stabilität des Anbieters selbst. Hier lohnt ein Blick auf harte Faktoren:
Eigene Rechenzentren: Ein Anbieter, der eigene Rechenzentrumsinfrastruktur in Europa betreibt, investiert langfristig in Standorte, Energieversorgung, Kühlung und Netzwerkanbindung. Das spricht für Kontinuität und planbare Rahmenbedingungen.
Historie: Mehrjährige Marktpräsenz und gewachsene Kundenbeziehungen sind ein Indiz dafür, dass der Betrieb nicht auf kurzfristige Experimente ausgelegt ist.
Zertifizierungen wie ISO 27001, ISO 9001, PCI-DSS oder TÜV-geprüfte Rechenzentrumsstufen zeigen, dass Prozesse, Sicherheit und Qualität regelmäßig extern geprüft werden.
Diese Punkte ersetzen keine Risikoanalyse, liefern aber eine deutlich belastbarere Grundlage als die bloße Annahme „groß ist sicher, klein ist riskant“.
Die Aussage „Von einem kleinen Cloud-Anbieter abhängig zu sein, ist riskant“ greift zu kurz. Abhängigkeit entsteht, wenn Workloads tief in proprietäre Services eingebettet sind und Exit-Szenarien nicht mitgedacht wurden. Wer auf offene Standards setzt, Infrastruktur als Code beschreibt und beim Design mögliche Ausstiege berücksichtigt, reduziert sein Risiko spürbar.
Die entscheidende Frage sollte daher nicht „Wie groß ist der Anbieter?“ lauten, sondern: „Wie schnell und mit welchem Aufwand könnten wir im Ernstfall wechseln?“
In der dritten Folge von „Cloud-Vorbehalte im Check“ geht es um die Sorge, dass für moderne Cloud-Lösungen im eigenen Haus das Know-how fehlt.
Wir betreiben unsere Cloud- und Colocation-Plattform in unseren eigenen Rechenzentren in Frankfurt am Main.
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